Umbau Schlossmühle Aarau

Erbaut 1976 – Architekturbüro Rimli + Tagmann und Partner
Umbau 2019-2020 – Baustube
Ersatzneubau Passerelle 2020 – Baustube

Auftraggeber Baubewilligung – Gesellschaft zur Schlossmühle Aarau
Bauherrschaft – Stadt Aarau

Mitten in Aarau, etwas unterhalb vom Stadtmuseum, steht die alte Mühle mit ihrem drehenden Wasserrad. Die Mühle, ein Showbau aus dem Jahr 1976, damals geplant vom Architekturbüro Rimli + Tagmann und Partner. Diese Architekten haben es damals verstanden mit sehr viel Feingefühl eine Mühle entstehen zu lassen, die so erscheint, als wenn sie bereits Jahrhunderte alt ist. Davor stand am gleichen Ort eine Schuhfabrik der Firma Bally die im Jahr 1975 abgerissen wurde.

Die Mühle diente immer schon als Showmühle, die das traditionelle Müllerhandwerk dem interessierten Menschen näherbringt. Auch wurden immer wieder einzelne kulturelle Anlässe am Standort veranstaltet. In den letzten Jahrzehnten wurde es an diesem romantischen Platz am Stadtbach von Aarau immer ruhiger. Daher hat die Stadt Aarau die Mühle zur Bespielung ausgeschrieben. Viele Vorschläge wurden bei der Stadt eingereicht und der Vorschlag vom Verein und Chalira Gewürzatelier wurde angenommen.

Umbau 2019 bis 2020

Wir arbeiteten in erster Linie mit Holz, Lehm und Glas. Alle Fenster wurden neu geplant und die alten durch zeitgemässe ersetzt. Gestaltet im alten Stil, passend zum Gebäude, mit schwarzen Beschlägen ausgestattet. Das Tor zur Passerelle auch komplett in massives Holz und so auch das grosse neue Tor mit seinen grosszügigen Verglasungen und den schweren Metallgriffen.

Eckdetail im Dachgeschoss

Wir machten aus zwei Geschossen vier und unterteilten die Flächen mit massiven Blockbohlen-Holzdecken. Alle wichtigen Strukturen wurden in massiven Konstruktionsholz ausgeführt, damit das neu eingebrachte auch über Generationen Bestand hat und zukünftigen Anforderungen gerecht werden kann.

Ein in Felsen geschlagener neuer Keller

Die alte Mühle verfügte bis vor dem Umbau über kein Kellergeschoss. Das war eine von den grossen Herausforderungen des Umbaus. Über mehrere Wochen stand ein Team der Firma Rud. Pauli mit Bagger in der Mühle und spitzte sich in mühsamer Arbeit in den Aarauer-Fels. Das Raumangebot für den Bagger war nicht übermässig, aber mit etwas Vorsicht haben es die Handwerker geschafft.

Bei allen Arbeit die mit Stein, Beton und grobem Putz zu tun hatten ist uns Michael König der Baumeister zu Seite gestanden. So hat er von der ersten Sondage, über die Aushubarbeiten, Stützmauern und Fundamente auch noch an vielen weiteren Details in der gesamten Mühle gearbeitet. Die schwarze, leicht glitzernde Wand auf dem Weg zur Transmission ist eine seiner Arbeiten sowie die gestockte Stützwand zur Transmission und vieles weiteres.

Durch die Aushubarbeiten entstand ein neues Kellergeschoss, welches das Raumangebot der Mühle um ein fast ganzes Stockwerk ergänzt. Auch konnte die Transmission der Mühle durch eine bessere Zugänglichkeit über das Kellergeschoss sichtbarer gemacht werden.

Wassertrog im Keller der Schlossmühle Aarau
Wassertrog im Keller der Schlossmühle Aarau
Treppe in Keller
Rundung in Decke vom Keller

Mit wenig Raum arbeiten

Mit den verfügbaren Flächen musste sparsam umgegangen werden und so kommt man schnell zu Rundungen. So wurde in der Galerie wie auch im Obergeschoss mit teilweise runden Wänden gearbeitet, um mehr Raum zu schaffen und lässt die Räume sanfter und freundlicher wirken. Aufmerksame Beobachter werden sogar im Kellergeschoss an der Decke eine feine kleine Rundung finden. Lehm haben wir im ganzen Gebäude an ausgewählten Stellen immer wieder angewendet, um eine gute Luftqualität und Raumluftfeuchte schaffen zu können. Der Lehm reguliert die Feuchtigkeit und schafft so ein angenehmes Raumklima.

Galerie im Obergeschoss

Im Gebäude finden sich auch einige schwarze Böden aber auch eine schwarze Wand. Bei den Böden handelt es sich um Designbeton der mit Pneumatit, einem anthroposophischen Mittel zur harmonischen Abbindung der Wasserkristalle führt, angereichert wurde. Das verbessert nachweislich die körperliche Verfassung auf so harten Böden wie Beton. Die schwarze Farbe erhält das Material durch ein eingefärbtes Öl.

Haustechnik

Die ursprünglich nicht beheizte Mühle verfügt jetzt über den nötigen Komfort, damit auch in den kalten Tagen des Jahres sich Leben an dem idyllischen Standort abspielen kann. Mit einem Hygienespeicher und Frischwasserstation ausgerüstet, verteilt dieses System auch die Wärme auf einzelne Wand- sowie Deckenheizungen verteilt im Gebäude. Mit diesem Heizsystem, das auf Strahlung basiert und in dicken Lehmwänden eingebettet ist, reguliert es eine ruhige Wärme im Raum, wie auch die durch den urchigen Baustoff regulierte Feuchtigkeit.

Kornmühle

Die historische Kornmühle, ein Geschenk der Gemeinde Bözen, da die damalige Mühle verursacht durch den Autobahnbau weichen musste, wurde in aufwendiger Arbeit von Kurt Fasnacht, dem Mühlendoktor, restauriert. Der Sichter wurde verkleinert, um ins neue Raumkonzept zu passen und in seinen Einzelteilen erneuert. Neu gibt es auch einen allen zugänglichen Aufgang, über das neue Kellergeschoss, der direkt zur Mechanik und Transmission der Mühle führt.

Ums Haus

Um dem Gebäude auch im Äusseren gerecht zu werden, wurde der Garten um die Mühle in seiner Biodiversitäten Wirkung zusätzlich mit heimischen Pflanzen aufgewertet.

Neue Passerelle

Besonders stolz sind wir auf die neue Passerelle, die wir komplett neu gestalten und umsetzten lassen durften. Komplett in Eichenholz ausgeführt, kombiniert mit geschwärztem Stahlbau. Die geschwungene Form, die der Passerelle ihr sehr romantischen Ausdruck verleiht, ist dazu da, dass keine Treppenstufen wie bei der alten mehr nötig sind. Die seitlichen Holzverschalungen verbergen hinter sich die Luft-Wasser Wärmepumpe, die die nötige Wärme für die Mühle bereitstellt.

Neues beginnt in der Mühle zu wirken

Das Gebäude soll neu nicht nur ein Showroom sein für traditionelles Handwerk, sondern auch ein Ort, an dem Produkte hergestellt werden. Kultur und Tradition wird live erlebbar und wenn die ratternden Maschinen laufen auch spürbar.

In der Mühle gibt es noch einiges zu entdecken. Wer sich die Zeit in Ruhe nimmt entdeckt so einige lustige Details, die während des Baus entstanden sind. Am besten aber wäre es sich an einem Show-Event oder einen Markt bei der Mühle auf einen Rundgang entführen zu lassen. Auf diesem Rundgang eröffnen sich einige interessante Blickrichtungen, die das Gebäude in seiner inneren Wirkung noch verstärken. Vergessen Sie nicht auch kurz die Toilette zu besuchen. Auch dort verbergen sich einige spannende Gestaltungen.

Decke vom Wc im Obergeschoss

Wer ins Gebäude durch das grosse Tor seinen Weg findet, steht mitten im Geschehen. Sie stehen nämlich direkt vor dem Verkaufsladen von Chalira Gewürzatelier und gleich zu Ihrer Rechten steht die Mehlmühle. Die kleine, feine Manufaktur ist bekannt für ihre Gewürzspezialitäten und einmaligen Produkte. Diese lassen sich jetzt im betriebseigenen Verkaufsladen degustieren und einkaufen.

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